Welche Auffassung vertreten Sie zu der im Gesetzentwurf der Landesregierung vorgeschlagenen konstitutiven Neufassung des Thüringer Kindertageseinrichtungsgesetzes und welche grundsätzlichen Hinweise haben Sie diesbezüglich?

Thüringer Gesetz über die Neuregelung der Kindertagesbetreuung

Entwurf vom 18. Mai 2017
Eingebracht durch Landesregierung
Federführender Ausschuss Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport
15
Die Diskussion ist seit dem 15.08.2017 abgeschlossen

Zurzeit befindet sich der Gesetzentwurf der Landesregierung zum Thüringer Gesetz über die Neuregelung der Kindertagesbetreuung (Drucksache 6/3906) vom 18. Mai 2017 in der parlamentarischen Diskussion. Nachfolgend finden Sie die Frage, mit der sich der Ausschuss für Bildung-, Jugend- und Sport derzeit befasst. Sie können Ihre Meinung zu der Frage abgeben. Mit Ihren Beiträgen, Ihren Erläuterungen oder Ihrer Kritik können Sie Einfluss auf die Arbeit des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport nehmen.

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Welche Auffassung vertreten Sie zu der im Gesetzentwurf der Landesregierung vorgeschlagenen konstitutiven Neufassung des Thüringer Kindertageseinrichtungsgesetzes und welche grundsätzlichen Hinweise haben Sie diesbezüglich?

Kommentare

13. August 2017 Anke Weismantel

Entwicklungsrisiken für Thüringer Kinder

In den „Informationen zu dem Gesetzentwurf der Landesregierung zum Thüringer Gesetz über die Neuregelung der Kindertagesbetreuung“ werden Entlastungen bzw. Verbesserungen für Eltern von Vorschülern, für die Kita-Leitung sowie für den Elternbeirat benannt. Bereits hier offenbart sich ein gewichtiger Anlass für Kritik: Es sind keinerlei Verbesserungen der tatsächlichen Betreuungssituation unserer Kinder im Kita-Alltag vorgesehen.

Die UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK, gültige Rechtsnorm in Deutschland), fordert in Art. 3 Abs.1: „Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werden, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.“ Im Art. 24 Abs. 2 EU-Grundrechtscharta wird ebenso festgelegt „(2) Bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen muss das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein.“

Die tägliche Betreuungsrealität in Thüringer Kitas geht zum Teil mit erheblichen Entwicklungsrisiken für unsere Kinder einher, so dass gerade hier dringender Handlungsbedarf besteht. Dieses Postulat kann ohne Weiteres fachlich fundiert untermauert werden und ich gehe im Weiteren auch exemplarisch auf einzelne Aspekte hierzu ein.

Vor dem Hintergrund des oben genannten gültigen Rechts der UN-KRK und der Realität in den Thüringer Kitas, halte ich den vorliegenden Gesetzesentwurf für inakzeptabel.

 

Expertenkonsens über maßgebliche Qualitätsfaktoren und Entwicklungsrisiken

Aufgrund der in Thüringen derzeit gesetzlich festgelegten Rahmenbedingungen (Strukturqualität), kann z.B. systembedingt der wichtigste Qualitätsfaktor nur unzureichend in der Praxis umgesetzt werden. Es handelt sich dabei um eine an den Grundbedürfnissen des Kindes orientierte Beziehungsgestaltung. Im Falle einer ungünstigen Beziehungsgestaltung kann diese leicht selbst zu einem bedeutsamen Risikofaktor für die kindliche Entwicklung werden.
Unter den gegebenen Bedingungen werden selbst hoch motivierte, engagierte und sehr gut ausgebildete Fachkräfte kaum die geforderte Qualität von Beziehungsgestaltung in der notwendigen Kontinuität und für die Menge der ihnen anvertrauten Kinder leisten können. Hinzu kommt all zu oft die Inkaufnahme eigener gesundheitlicher Gefährdung, da Fachkräfte die Mangelsituation durchaus wahrnehmen und oft fortwährend auszugleichen versuchen (Burnout etc.).

Thüringen ist also vergleichsweise schlecht aufgestellt, wenn man sich exemplarisch den Einflussfaktor Fachkraft-Kind-Relation in der gelebten Praxis anschaut. Ich vergleiche dabei nicht wie oft üblich mit denjenigen ostdeutschen Bundesländern, die noch schlechter aufgestellt sind und blende Westdeutschland aus, sondern vergleiche mit den empfohlenen Mindeststandards für gute Qualität – im Übrigen der einzig zulässige Vergleich wie ich meine (Quellen: NUBBEK, Bertelsmann; Deutsche Liga für das Kind usw.).

Tatsächlich gibt es einen breiten Konsens unter Experten über Qualitätsstandards, die nicht unterschritten werden dürfen. Die sogenannte Strukturqualität ist hierbei eine zwingende VOR-Bedingung guter Betreuung. Am Ende trägt diese maßgeblich dazu bei, dass Entwicklungs- und Bildungschancen erhöht und Risiken gemindert werden können. Natürlich würde mit einer verbesserten Fachkraft-Kind-Relation die Qualität nicht überall automatisch besser. Den entschiedenen Willen zu mehr und gut ausgebildetem Personal sowie dem Kindesalter angemessenen Gruppengrößen im Gesetz zu verankern, würde aber bereits einen Raum für Hoffnung, Entwicklungspotenzial und die prinzipielle Erreichbarkeit von guter Qualität in Kitas eröffnen. Eine Gesetzesnovellierung muss sich somit konsequent an den maßgeblichen Faktoren für Betreuungsqualität orientieren, will man die Schlagworte Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit für Thüringens Familienpolitik beanspruchen.

Um meine Darstellungen für eine möglichst breite Leserschaft glaubhaft zu untermauern, verweise ich für einen Überblick zum Thema Betreuungsqualität auf das Positionspapier der Deutschen Liga für das Kind Gute Qualität in Krippe und Kindertagespflege“. Hier werden explizit die besonders sensiblen und bedeutsamsten ersten Lebensjahre thematisiert. Dieser Expertenkonsens wird von über 40 (!) renommierten und namhaften deutschsprachigen Experten unterstützt, siehe: http://www.fruehe-tagesbetreuung.de/eckpunkte.htm ; Zitat aus dem Positionspapier: „Krippen und Kindertagespflegestellen allerdings, die anerkannten Mindestanforderungen an Qualität nicht genügen, können für die dort betreuten Kinder ein erhebliches Entwicklungsrisiko darstellen.“. Die Mindestanforderungen hinsichtlich Personalausstattung und Gruppengröße für Kinder bis zum 3. Geburtstag finden Sie unter B: Strukturqualität. Kein anderes Orientierungspapier findet meinem Kenntnisstand nach eine solch breite Zustimmung und stellt die Qualitätsfaktoren so gut im Überblick dar.

 

2-3jährige Kinder

Um auf ein bedeutsames Problem im vorliegenden Gesetzesentwurf einzugehen, möchte ich aus §16 Personalausstattung (5) zitieren:

„Sofern es die psychische, physische und geistige Entwicklung eines Kindes in der Altersgruppe vom vollendeten zweiten bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres erlaubt, kann seine Betreuung mit Zustimmung der Eltern in einer altersgemischten Gruppe von Kindern im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt erfolgen.“

Ein ganz ähnlicher Absatz findet sich in der derzeit gültigen Kita-Verordnung (Zitat siehe weiter unten).

Beispielsweise sieht die Realität der 2jährigen Erfurter Kinder aufgrund dessen aktuell so aus, dass vermutlich über 95% der Kinder ab dem 2. Geburtstag in Gruppen betreut werden, die eigentlich für 3jährige Kinder bis zum Schuleintritt konzipiert sind (Kindergarten statt Krippe/Tagespflege). In der Praxis gibt es keinerlei überprüfbare Kriterien anhand derer die psychische, physische und geistige Entwicklung der 2jährigen Kinder eingeschätzt wird! Vielmehr werden durch die gängige Praxis Kinder ab dem 2. Geburtstag automatisch (Vergabe der Kita-Plätze) in Gruppen für Kinder ab eigentlich 3 Jahren überführt. Dies halte ich aus entwicklungspsychologischer Perspektive für skandalös, da diese Praxis allen Empfehlungen und Erkenntnissen zur Frühen Kindheit widerspricht (z.B.: http://www.gaimh.org/publikationen/betreuung-in-krippen.html).
Ich möchte diese Einschätzung durch ein Experten-Statement untermauern. Im Jahr 2016 habe ich zu diesem Passus der Thüringer Kita-Verordnung eine Emailkorrespondenz mit dem renommierten Hirnforscher, Psychiater, Psychotherapeut und Bestsellerautor Prof. Dr. med. Joachim Bauer geführt, die ich Ihnen auch aufgrund seiner Ausführungen zu Kindern unter 1,5 Jahren hier bereitstellen möchte:

>> Sehr geehrte Frau Weismantel, besten Dank für Ihre Zeilen.

Die Zeit nach dem zweiten Geburtstag und vor Vollendung des dritten Lebensjahres ist eine Übergangszeit: Die Kinder sind hier zwar kleingruppenfähig, brauchen aber nach wie vor zwingend immer wieder eine dyadische erklärende Ansprache.

Dem Gesetzestext [Thüringer Kita-Gesetz:]

„In der Regel sind altershomogene Kleinkindgruppen vom ersten Lebensjahr bis zu drei Jahren unter Einsatz der jeweils geltenden Personalschlüssel nach § 14 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 ThürKitaG zu bilden, um eine besondere und intensive Betreuung für die Kinder dieser Altersgruppe zu gewährleisten.“

kann ich so nicht zustimmen. Kinder unter 18 Monaten sind definitiv nicht „Kleinkindgruppen“-fähig. Zwischen dem 18. und 36. Monat kommt es m. E. sehr stark darauf an, dass 1. die Gruppen nicht zu groß sind (maximal 4-6) und dass 2. der Personalschlüssel so gestaltet ist, dass viel dyadisch interagiert werden kann.

„Sofern es der psychische, physische und geistige Entwicklungsstand eines Kindes in der Altersgruppe von zwei bis drei Jahren erlaubt, kann seine Betreuung in einer altersgemischten Gruppe von Drei- bis Sechsjährigen erfolgen.“ (aus der Kita-Verordnung)

würde ich zustimmen, wenn Kinder zwischen 24 und 36 Monaten gemeint sein sollten und wenn die Gruppen nicht zu groß sind (siehe oben). Etwa die Hälfte der Kinder werden den geforderten „psychischen, physischen und geistigen Entwicklungsstand“ allerdings in diesem Alter noch nicht haben.

Ich teile Ihre Sorgen.<<

[Hervorhebungen sind durch mich erfolgt.]

 

Zusammenfassung und Empfehlungen

Zusammenfassend möchte ich noch einmal betonen, dass wir in Thüringen alleine schon aufgrund der ungünstigen Fachkraft-Kind-Relationen und der ungünstigen Gruppenkonstellationen keine ausreichende Kita-Qualität nach wissenschaftlichem Stand der Forschung erwarten können. Aufgrund des Fachkräftemangels werden wir eine baldige Entspannung der Lage kaum erreichen können. Auch steht es gerade aufgrund der geltenden UN-Kinderrechtskonvention außer Frage, dass die Mängel der Betreuungspraxis im Rahmen der Gesetzesnovellierung ernsthaft in Angriff genommen werden müssen. Eine mögliche Vorgehensweise wäre es, die anerkannten Mindestanforderungen an Qualität im Gesetz als Zielvorgaben zu formulieren und der Wille zu einer Annäherung an dieselben glaubhaft und mit konkret dazu dienenden Maßnahmen zu dokumentieren.

Weiterhin darf die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Entwicklungsrisiken für unsere Kinder nicht weiter unter den Tisch fallen und muss Eingang in die öffentliche Diskussion finden. Hier sehe ich alle Akteure in der Informationspflicht. Die Verantwortung für Erziehung und Schutz des Kindes vor Gefahren und Risiken weist das Grundgesetz den Eltern zu. Auch der vorliegende Gesetzesentwurf nimmt Eltern mehr in die Pflicht (z.B. notwendige Zustimmung der Eltern zur Betreuung von 2jährigen in Kindergartengruppen für Kinder ab 3 Jahren). Aus diesem im Grundgesetz verankerten Erziehungsprimat leitet sich m.E. ab, dass Eltern alle die Betreuung ihres Kindes betreffenden, notwendigen Informationen auch erhalten müssen, um ihrer Pflicht der elterlichen Verantwortung nachkommen zu können. Nur so können Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten und im Sinne des Kindeswohls für ihr Kind entscheiden und ggf. darüber hinaus aktiv werden.

Glaubt man bezüglich der 2-3jährigen Kinder Herrn Prof. Bauers Einschätzung, die sich auf den aktuellen Status Quo der Forschung stützt, setzen wir aktuell ca. 50% dieser in Kindergartengruppen betreuten 2jährigen Thüringer Kinder erheblichen Entwicklungsrisiken aus. Dieser unverantwortliche Missstand darf keinesfalls wie angedacht im §16, Abs. (5) verankert werden. Sollte dies doch so geschehen, plädiere ich für die dringende Einführung einer standardmäßigen Überprüfung des individuellen kindlichen Entwicklungsstandes durch dafür qualifizierte Fachkräfte, welche diesen auch dokumentieren und eine angemessene Risikoaufklärung mit den Eltern durchführen.

Die gesetzliche Verankerung eines elterlichen Anspruchs auf fachlich fundierte und adäquate Risikoaufklärung über außerfamiliäre Betreuung wäre nicht nur vor dem Hintergrund des Grundgesetzes und der UN-KRK ethisch verantwortungsvoll, sondern auch vorbildliche und zukunftsweisende Familienpolitik.

Anke Weismantel
Psychologin, Kita-Referentin
Erfurt

12. August 2017 Claudia H.

Personalschlüssel verbessern!

Für die Berechnung des Personalschlüssels müssen z.B.

10 Stunden Öffnungszeit als Berechnungsgrundlage herangezogen werden und nicht nur 9 Stunden, wie bisher! 

Außerdem ist es dringend notwendig, dass mehr gruppenfreie Verfügungszeit für Vor- und Nachbereitung, Dokumentation und Projektarbeit eingeplant werden.

Dazu kommen Ausfall durch Krankheit und Fortbildungen, die zu gering im Personalschlüssel berücksichtigt werden.

Momentan ist der Personalschlüssel nicht einvernehmlich mit dem Thüringer Bildungsplan, unter den momentanen Bedingungen wird es weitere Qualitätsabstriche geben!

Das Mindestkontingent für Fortbildungen sollte einen Umfang von 20 Stunden betragen.

Die "pädagogische Nutzfläche" muss präzisiert werden, bzw. die Quadratmeterzahl, die jedem Kind zusteht, angehoben werden. Eine qualitativ hochwerige Arbeit leidet unter der derzeitigen "Betriebserlaubnis". Es gibt viel zu wenig Platz für viel zu viele Kinder!

Claudia Herda, Erzieherin im Reggio Kinderhaus Gotha

                                 

 

09. August 2017 MBraun

Inklusive Bildung und Betreuung

Als Integrativer Kindergarten betreuen wir 106 Kinder im Alter von 2 Jahren bis zum Schuleintritt, wovon maximal 18 Kinder Eingliederungshilfen nach dem BSHG erhalten. Wir haben uns in der Umsetzung einer inklusiven Pädagogik auf den Weg gemacht und sind bestrebt, eine exklusive Förderung von Kindern mit besonderen Bedarfen konsequent zu überwinden. An die Stelle solcher exklusiven Förderung tritt eine Pädagogik, die in der gemeinsamen Betreuung aller Kinder Platz für das Eingehen auf möglichst alle besonderen Bedarfe und die Bedürfnisse der Kinder bietet. Ausdrücklich schließen wir in diesem Zusammenhang Bedarfe ein, die über die Dimensionen Behinderung und drohende Behinderung hinausgehen, mit ein.

Dies bedeutet in der Umsetzung vor allem ein Mehr an Kommunikation innerhalb multiprofessionell aufgestellter Teams, die den alltagsintegrierten Umgang mit – dauerhaften wie vorübergehenden – besonderen Bedarfen von Kindern beständig reflektieren und anpassen müssen. Aus der Summe der einzubeziehenden Vielfaltsdimensionen ergeben sich dabei regelmäßig besondere Bedarfe von Kindern, auf die aus den Ressourcen und Kompetenzen eines Teams nicht ausreichend eingegangen werden kann und auf die entsprechend durch Hinzuziehung externer Ressourcen, Erweiterung der Kompetenzen im Team oder Veränderung von Rahmenbedingungen reagiert werden muss.

Auf Grundlage dieser Erfahrungen möchten wir vor allem zum neuen §8 Stellung beziehen.

Aus unserer Sicht gehen die Regelungen des neuen §8 - Angebote für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder sowie für weitere Kinder mit Förderbedarf – nicht weit genug. Sie spiegeln in der Aussage, dass eine besondere Förderung in Regeleinrichtungen und integrativen Einrichtungen erfolgen soll, zwar eine Tendenz wider, die in Richtung einer inklusiven Aufstellung aller Bildungseinrichtungen zeigt. Jedoch wird hier am bestehenden System der Unterscheidung zwischen Regel- und integrativer Einrichtung festgehalten – zudem ohne dass der Begriff der integrativen Kita näher ausgeführt ist.

So entstehen Interpretationsspielräume, die zum einen die Vielzahl besonderer Bedarfe aufgrund unterschiedlichster Formen von Behinderung nicht berücksichtigen und zum anderen in der Praxis letztlich doch dazu führen, dass Eltern von Kindern mit Behinderung oder drohender Behinderung vordergründig auf existierende integrative Einrichtungen verwiesen werden.

In der weiteren Ausführung des §8 wird aus unserer Sicht auf die weiteren Förderbedarfe, die eine ebenfalls intensive Zuwendung in teils kleineren Settings und vor allem das Aufwenden von Ressourcen brauchen, nicht ausreichend eingegangen. Die Bezugnahme auf §22 SGB VIII sowie §7 des ThürKitaG werden der Notwendigkeit besonderer Maßnahmen nach unserer Auffassung nicht gerecht.

Aus unserer Sicht braucht es zur konsequenten Fortsetzung des Weges hin zur inklusiven Kita einer Überwindung der Einteilung in Regel- und integrative Kitas. Stattdessen braucht es einer Transparenz dazu, auf welche besonderen Bedarfe jede Kita eingehen kann bzw. welche Bedarfe, z.B. aus baulichen Gründen, explizit nicht adäquat berücksichtigt werden können. Darüber hinaus muss es ermöglicht werden, dass Kindern mit besonderen Bedarfen die notwendigen personellen und sachlichen Ressourcen für eine gleichberechtigte Teilhabe am Kita-Alltag je nach konkretem Bedarf zeitweise oder dauerhaft zur Verfügung gestellt werden können. Dies betrifft nach unserer Vorstellung in angemessener Weise jede Form solcher besonderen Bedarfe, unabhängig davon, ob sie aus eine bestehenden bzw. drohenden Behinderung oder aufgrund eines anderen Einflusses entstehen.

Grundlage eines gelingenden Umgangs mit Vielfalt in all ihren Dimensionen ist neben der entsprechenden Haltung und der Qualifikation pädagogischer Mitarbeiter/innen ein angemessener Personalschlüssel, der die Betreuung in kleineren Settings, eine ausreichende Vor- und Nachbereitung pädagogischer Angebote, das Agieren im Sozialraum, eine gute Elternarbeit und die zielführende Kommunikation im Team ermöglicht. Aufgrund der veränderten und sich weiterhin verändernden Anforderungen an Kindertagesstätten sehen wir hier auch jenseits der Leitung größerer Einrichtungen einen Veränderungsbedarf ggü. dem aktuell vorliegenden Entwurf.

Den Schritt hin zur gebührenfreien Kita begrüßen wir ausdrücklich und wünschen uns eine klare Perspektive dazu, wie weitere Schritte in diese Richtung aussehen können. Zu Bedenken zu geben ist jedoch, ob ein eher symbolischer Schritt in Richtung Gebührenfreiheit den Einsatz der dafür nötigen Mittel in Anbetracht der sonstigen Entwicklungsaufgaben im Kita-Bereich rechtfertigt.

Als mögliche Alternative zur Gebührenfreiheit im letzten Kita-Besuchsjahr sähen wir zudem das Hamburger Modell, in dem für alle Kinder ein festgelegte Zeit (in Hamburg 5 Stunden täglich bzw. 30 Wochenstunden) beitragsfrei gestellt ist, und darüber hinausgehende Betreuungszeiten sozial gestaffelt beitragspflichtig werden. Neben der Tatsache, dass eine solche Regelung allen Familien zugute käme, erscheint uns hier auch eine flexiblere Ausweitung entsprechend der späteren Haushaltslagen bis hin zur völligen Beitragsfreistellung möglich.

09. August 2017 Kristin Anhut

Es braucht mehr als Beitragsfreiheit!

Dass eine Rot-Rot-Grüne Landesregierung keinen größeren Wurf auf dem Gebiet der frühkindlichen Bildung wagt, als den vorliegenden Entwurf zur Veränderung des ThürKitaG, ist äußerst schade und lässt vermuten, dass es mehr um die Einhaltung von Wahlversprechen, als um die Verbesserung der Qualität geht. Es erschließt sich nicht, warum es plötzlich ein Jahr Pause in der Bezahlung von Elternbeiträgen geben soll, wenn man vor dem beitragsfreien Jahr und danach im Hort auch wieder zur Kasse gebeten wird. Wichtiger als diese Zahlpause ist den Eltern in aller Regel die Qualität der frühkindlichen Bildung. Und hier hätte eine Rot-Rot-Grüne Regierung deutlich andere Akzente setzen können. Dass die sie jährlich ca. 32 Mill. € mehr in die Kindertagesbetreuung investieren will, ist  lobenswert, aber es gibt viel dringendere Themen als 1 Jahr Beitragspause.

Zum Beispiel wird im Gesetzentwurf, der in vielen Teilen eher einer Fachveröffentlichung gleicht, sehr ausführlich und fachlich einwandfrei herausgearbeitet, dass Bildungs- und Betreuungsarrangements zu schaffen sind, die den jeweiligen individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden. Doch die nötigen Konsequenzen verweigert der Gesetzentwurf. Denn sonst hätte er sich mit den Folgen der Vielfalt, die wir in der Praxis heutzutage antreffen, ernsthaft auseinander setzen müssen. So kann beispielsweise ganz klar festgestellt werden, dass eine Kita sowie deren Kinder und Eltern in einem sog. Brennpunktviertel ganz andere Bedarfe haben, als eine Kita in einer gut bürgerlichen Gegend. Die Kita im Brennpunktviertel braucht Möglichkeiten, kleinere Betreuungsarrangements zu schaffen – die kosten Personal und brauchen Raum. Denn hier treffen wir sehr oft Kinder an, die zu Hause unter massivem Sozialstress leiden und solche Kinder können 20 andere Kinder um sich herum in viel zu engen Räumen nachweislich nicht aushalten. Eine Brennpunkt-Kita braucht außerdem niedrigschwellige Elternberatung und -arbeit – dafür sind staatl. anerkannte Erzieher*innen nicht ausgebildet. Zwar werden nach dem jetzigen Modell die Hochschulabsolvent*innen, die in dieser Hinsicht ein paar Kompetenzen mitbringen (sollten) in den Betreuungsschlüssel eingerechnet, doch sie leisten damit Arbeit an und mit den Kindern und haben keine Kapazitäten für Beratung oder Coaching frei.

Solche Möglichkeiten, Kitas flexibler zu gestalten, müssten sich in einem zeitgemäßen KitaG abbilden. Damit würde man auch unserem hoch gelobten Thema der Inklusion gerechter werden. Im Gespräch mit Praktiker*innen gewinnt man stattdessen den Eindruck, Kinder in Thüringen dürften keine unterschiedlichen Bildungsansprüche, Bedürfnisse und Förderbedarfe mehr haben, seit wir die Inklusion gesetzlich verankert haben. Das ist schlicht und ergreifend eine Katastrophe. Die Kitas sind oft weder personell noch räumlich noch inhaltlich dafür ausgestattet, den Erfordernissen der Inklusion angemessen zu begegnen. Ich empfehle der Politik dringend das unvoreingenommene Gespräch mit den Praktiker*innen vor Ort. Wir sind gerade dabei, ganze Generationen von Kindern zu verlieren.

Aber zurück zum Gesetzentwurf, dem man auch im Kleinen noch einige Verbesserungen angedeihen lassen könnte.

Wünschenswert wäre im Kontext des Personalschlüssels ein Hinweis, dass es sich lediglich um „Mindestpersonalschlüssel“ handelt, dass man also hier das untere Ende der Fahnenstange, nicht das obere beschrieben hat.

Und unabhängig von der Lage einer Kita brauchen alle Kinder über 3 Jahre viel mehr Raum – 2,5 m² Raumanspruch sind für die großen Kinder einfach zu wenig, sie haben einen hohen Bewegungsdrang und müssen diesen auch ausleben können, um sich in allen anderen Entwicklungsbereichen optimal entwickeln zu können. Ein zeitgemäßes KitaG – noch dazu von einer Rot-Rot-Grünen Landesregierung hätte auch hier mehr Akzente setzen können und müssen.

Was mich am vorliegenden Gesetzentwurf weiterhin hochgradig erstaunt, ist der Rückschritt in Bezug auf die Fortbildungsverpflichtung der Pädagog*innen. Gerade hier war Thüringen besonders innovativ und gerade hierdurch sind die Pädagog*innen z. B. ihren Nachbar*innen in Sachsen um Jahre voraus. Es hat sich in den letzten Jahren eine beachtliche Inhouse-Fortbildungskultur entwickelt, durch die die Teams sich qualitativ enorm weiterentwickelt haben. Diese sehe ich in Gefahr, wenn es nur noch eine Empfehlung zur Fortbildung gibt, denn dann lässt sich Eltern und Trägern der Nutzen gemeinsamer Teamfortbildungen noch schwerer vermitteln als z. T. ohnehin jetzt schon. Sächsische Kolleg*innen können ein Lied davon singen und beneiden uns regelmäßig um die gesetzlich verankerte Fortbildungspflicht.

In Bezug auf die Erstellung eines Gesamtplans i. S. des § 8 Abs. 3 wäre es wünschenswert gewesen, die Kitas explizit zu benennen, um deren Einbindung zu gewährleisten, die in der derzeitigen Praxis oft genug leider nicht erfolgt.

Zu begrüßen ist die inhaltliche Präzisierung der Betreuungsarrangements für Kinder unter 3, die durch den vorliegenden Entwurf vom Status der Verordnung in den Status des Gesetzestextes aufsteigt.

08. August 2017 JörgVetter

Sehr geehrte Damen und…

Sehr geehrte Damen und Herren,

das ein neues Kindertagestättengesetz oder zumindest eine Überarbeitung dringend nötig ist, wissen wir schon seit Längerem. Auch wurden Kritikpunkte schon öfter angesprochen und blieben unerfüllt. In der jetzigen Fassung wird das Augenmerk nur auf die Erfüllung eines Wahlversprechens gelegt. Doch es ist eine grundlegende Überarbeitung notwendig und nicht nur eine Verschiebung von einzelnen Punkten. Allen voran sehe ich ein Problem in der Beibehaltung des derzeitigen Betreuungsschlüssels. Dieser ist schon seit langer Zeit nicht mehr an die Bedürfnisse der Kinder und an die Forderungen aus der Politik angepasst. Kleine Lerngruppen und Entdeckerangebote bleiben im Hinterfeld, wenn durch Krankheit oder andere Verhinderungen des Betreuungspersonals der Dienstplan wie ein Kartenhaus zusammen bricht. Sofort stimmt dann der Betreuungsschlüssel nicht mehr und somit wandelt sich der Tag im Kindergarten von einer Betreuung zu einer Aufbewahrung um. Es bleibt leider sehr oft keine Zeit um individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Das ist sehr Schade und frustriert auch zunehmend. Denn die Kinder können nichts für diese Missstände. Es ist doch jetzt eine gute Chance das Thüringer Kindertagestättengesetz grundlegend umzuwandeln.

Ich wünsche mir eine gute Betreuung der Kinder um somit allen gerecht zu werden. Das ist aber nur möglich, wenn uns die Politik auch unterstützt und nicht noch mehr Forderungen an uns stellt.

Jörg Vetter, Pädagoge im Kindergarten, Weimar

08. August 2017 Kinder

Novelierung KitaG - eine Enttäuschung!

Wirtschaft, Arbeitsmarkt-, Finanz-, Sozial-, Behinderten-, Ausländer-, Gleichstellungs- und Umweltpolitik, Kirchen, Medizin, Hirnforschung, Psychologie … Kita steht heute mehr im Fokus als in früherer Zeit!
Alle stellen eine Vielzahl von Anforderungen an Kindergärten, die die Länder grob ausgedrückt, als Bildungs- Erziehungs- und Betreuungsaufträge sowie in den Bildungsplänen formuliert haben. Hier wird ein hoher Anspruch formuliert an die Qualität einer Kindertagesstätte und die dort arbeitenden, elementarpädagogischen Fachkräfte!
In dem vorliegenden Gesetzesentwurf erkennt man kaum politisches Engagement, der den vorab angezeigten Erwartungen entspricht, hier fehlt es an einer wirksamen Lobby um der heutigen frühkindlichen Bildung und den Lebenswelten der Kinder gerecht zu werden!
Kindereinrichtung sind Bildungseinrichtungen – ja, und sie sollten kostenfrei sein! Die Eltern werden familienpolitisch ruhig gestellt mit dem „Geschenk“ des freien Kindergartenjahres kurz vor Schuleintritt! Ob damit der Weg geebnet ist für eine generelle Kostenfreiheit – das sei dahingestellt! Der Versuch die Kindertagesstätten ruhig zu stellen mit dem „Geschenk“ an die Leitung, ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Die heutigen Lebensumstände/Lebenswelten und entwicklungsspezifischen Ansprüche von Kindern bedürfen mehr! Nicht nur Bildungspläne und Gesetze! Wenn diese nicht personell untersetzt werden, wird es Kindern an verlässliche Bezugspersonen, festen Beziehungen, erlebten Sicherheiten, vielfältigen Umwelterfahrungen mangeln … um nur das Wichtigste zu nennen!

Die Kindertagesstätte ist der grundlegende Baustein für weitere Bildungswege! Insofern muss …
1. das Personal dringend durch einen besseren Betreuungsschlüssel erhöht werden! Parallel dazu Änderung der Thüringer Kindertagesstätten- einrichtungsverordnung: Reduzierung der Gruppengrößen (unsere Forderung wenigsten 3 m² , besser 3,5 m² für Kinder im Alter ab den 3. Lebensjahr) !

2. Auch müssen Ausfallzeiten, wie Urlaub, Krankheit und Fortbildung in diese Berechnung "fair" einfließen.
3. Inklusion ist in der Kita ein sehr wichtiges Thema! Allerdings kann dies lediglich mit entsprechend geschultem und ausreichend vorhandenem Personal gewährleistet werden! Hier ist es dringend erforderlich, schnell und möglichst mit geringem bürokratischen Aufwand, Leistungen für Kinder mit besonderen Bedarfen durch eine schnelle Bearbeitung bereitzustellen! (Drei Monate sind zu lang!) Daher wäre eine klarere Regelung im neuen Thüringer KitaG wünschenswert!
4. Ebenso dringend ist eine Sicherung der Personalkontinuität für die Entwicklung von Kindern (Es geht um einen sicheren Beziehungsaufbau!) Monatlich bzw. quartalsmäßge wechselnde Arbeitszeiten sind Arbeitsbedingungen, die bei den Fachkräften Unsicherheit, Unzufriedenheit und Krankheit schaffen. Dem entgegenwirken kann eine Personalschlüsselberechnung auf Grundlage des Jahresdurchschnitts der angemeldeten Kinder. Dies würde Planungssicherheit und arbeitnehmerfreundliche Arbeitsverträge schaffen.
5. Die Kappungsgrenze bei 150 Kindern für stellv.Leitungskräfte - geht gar nicht(!) - Leitung, wie stellv. Leitungskräfte müssen gruppenfrei sein! Den Leiterinnen obliegt heute neben der täglichen pädagogischen Führung, Netzwerkarbeit etc., ein besonders hohes Maß an Verantwortung für die Qualitätsentwicklung auf der Grundlage der gesetzlichen, sowie gesellschaftlichen Erwartungen.
In den letzten Jahren wurden Maßnahmen zur Qualitätssicherung gestartet, diese müssen mit der Neufassung des ThürKitaG gesichert werden! Das vorliegende Gesetz tut das definitiv nicht (!) und dies sollte den beschließenden Politikern in unserem Landtag bewusst sein!
Unter den Rahmenbedingungen, die das vorliegende Gesetz aufzeigt, können wir die Qualitätsentwicklung nicht in dem erwarteten Umfang leisten!

Jena 08.08.2017

Das Kollegium der Integrativen Kindertagesstätte Frechdachs aus Jena, sowie der Vorstand des Fördervereins Frechdachs e.V.             

07. August 2017 kiga nurde

7.08.2017 Kindergarten "Haus der Entdecker"

Ein beitragsfreies Jahr ( letztes Jahr vor der Schule) wäre eine gute Sache, aber wir finden Kindergartenbeiträge sollten für alle Eltern (deren Kinder 0-6) bezahlbar oder gar beitragsfrei sein. Das ist eine Schaffung der Chancengleichheit!!! Bildung von Geburt an, so steht es im Bildungsplan, so haben die Kinder Chancen sich sozial zu integrieren und einen guten Start ins Leben. Wir als Einrichtung möchten diesen Weg gerne begleiten. Kita und Kiga sind ein wesentlicher grundlegender Baustein, somit haben wir einen wichtigen Auftrag in der Bildungslandschaft. Eine Qualitätssicherung bzw.-verbesserung ist mit einem Kindergartenbeitragsfreiem Jahr nicht gesichert!

So sind wir bei einem Diskussionspunkt, der nach unserer Meinung wichtiger wäre. Der momentane Betreuungsschlüssel ist untagbar. In unsere Einrichtung, wie in vielen anderen auch, arbeiten wir seit geraumer Zeit am Limit. Zu große Gruppen ( über 16 Kinder ab 3 Jahre ) Zweitbesetzung nie möglich wegen Krankheit, Urlaub, ...., denn dies, wie auch Fortbildung, Vor und Nachbereitungszeit, Elterngespräche, Informationsveranstaltungen zählt alles in den momentanen Personalschlüssel hinein, wie soll das gehen??? Wir sind bereit auch weiterhin eine gute pädagogische Arbeit zu leisten und fordern hiermit, über einen neuen Betreuungsschlüssel/Personalschlüssel zu debattieren.

Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft, sie und ihre Familien sollen besonders geschüzt und gestützt werden, aber die Fachkräfte sollten dabei nicht vergessen werden.

Team des Kindergarten "Haus der Entdecker" Kaltennordheim

07. August 2017 TSA

Stellungnahme TSA

Das Wichtigste was wir brauchen ist eine Verbesserung des Personal- und Betreuungsschlüssels, wenn wir Kitas mit einer hohen fachlichen Qualität vorhalten möchten. Der Betreuungsschlüssel muss auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zur frühkindlichen Pädagogik angepasst werden.

Was nützen uns hoch fachlich- kindzentrierte Bildungspläne, wenn im neu überarbeiteten ThürKitaG kein überarbeiteter bedarfsgerechter Betreuungsschlüssel und keine festen angepassten Zeiten für Vor- und Nachbereitung für die Mitarbeiter zur Verfügung stehen?                                                                                                  Es braucht Zeit und Raum, um sich fachlich auszutauschen, sich zu hinterfragen und um veränderte pädagogische Haltungen zu entwickeln.                                  Es braucht Zeit und Personal, um inklusive Kindertageseinrichtungen weiter auszubauen.

Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die Zeit für die Kinder, die Sorgeberechtigten und die damit verbundenen vielfältigen Aufgaben haben.

Der Anspruch den wir heute an die frühkindliche Bildung haben, benötigt Arbeitsbedingungen für Pädagogische Fachkräfte, die ihnen ermöglicht auch diesen zu leisten und dabei gesund zu bleiben.

Hier stehen dem Land mehrere Untersuchungsergebnisse und durchgeführte Bundesprogramme zur Verfügung, die dies mit Zahlen untermauern.

Wir, als Träger von mehreren Kindertageseinrichtungen, sind uns unserer rechtlichen Verantwortung, auch mit Blick auf die Gesunderhaltung unserer Mitarbeiter (§ 6 Abs.2), sehr bewusst und nehmen diese ernst.

Auch mit einem guten betrieblichen Gesundheitsmanagement kommen Ausfallzeiten, u.a. durch Elternzeit (hohe Frauenquote), gesundheitliche Beeinträchtigungen (körperliche und psychische Folgeschäden) usw., auf die Einrichtungen zu, die im Gesetzestext prozentual Beachtung finden müssen, so dass der Mindest-Betreuungsschlüssel zu jeder Zeit erfüllt werden kann.

Mehr Personal bedeutet Entlastung und Kontinuität und somit eine Stabilität für das gesamte Kita- System.

Entsprechend dem Profil der Leitungskraft (§16) und dem damit verbundenen tatsächlichen Verantwortungsbereich, muss die Leitungstätigkeit aus unserer Sicht bereits ab 50 Kindern freigestellt sein, denn die Aufgaben bleiben die gleichen.

Wenn das Grundfundament (Fachpersonal, Betreuungsschlüssel, Inklusion,…) in unserem Verständnis von frühkindlicher Bildung steht, können weitere Überlegungen, wie ein betragsfreies Kita- Jahr, darauf aufbauen.

Geschäftsführungsbereich der Thüringer Sozialakademie

07. August 2017 Kita Bergsteiger TSA

Dringend notwendige Senkung des Personalschlüssels

Hier nur ein Beispiel aus der laufenden Praxis:

Um einer individuellen, bedürfnisorientierten und qualitativ hochwertige Betreuung aller Kinder gerecht zu werden, bedarf es zweifelsohne einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung.

Was beinhaltet Vor- und Nachbereitungszeit?

  • Planung und Reflexion von Bildungsprozessen
  • Vor- und Nachbereitung sowie Durchführung von Elterngesprächen
  • Durchführung von Entwicklungsgesprächen
  • Beratung von Familien, teilweise auch Begleitung von Eltern in besonderen Lebenslagen
  • Fachaustausch
  • Auswertungen von Beobachtungen und weitere Planung
  • Kontakte mit Instituationen außerhalb der Kita

Schon bei einem Personalschlüssel, wie er aktuell im Gesetzesentwurf steht, ist es ein Spagat all diesen gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen gerecht zu werden.

Der Alltag jedoch sieht jedoch nochmal anders aus:

Wann sind denn tatsächlich alle Mitarbeiter im Haus? Urlaub, fachliche Qualifizierungen, Weiterbildungen und krankheitsbedingte Ausfälle führen zu regelmäßigen Ausnahmesituationen innerhalb der Kitas, welche durch die Mitarbeiter tagtäglich gestemmt und gemeistert werden müssen. Wozu das auf Dauer führt, können wir alle nur erahnen.

Und was oben genannte Vor- und Nachbereitung betrifft…muss dann immer wieder gestrichen werden…

Wir fordern deshalb:

eine deutliche Verbesserung des Betreuungs- und Personalschlüssels, um dem Rechtsanspruch auf eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung gerecht zu werden.

07. August 2017 Kita Löwenzahn TSA

Senkung des Personalschlüssels auf LIGA-Kampagnen Niveau

Neben vielen in diesem Forum bereits aufgeführten Aspekten möchte ich in diesem Beitrag auf die dringend notwendige Senkung des Personalschlüssels und die damit verbundene Erhöhung des Fachpersonals in den Einrichtungen hinweisen.

In unserem bestehenden Team gibt es derzeit 3 langzeiterkrankte Mitarbeiter. Hinzu kommt jeweils 1 Mitarbeiter, welcher im Urlaub ist oder sogar kurzzeitig erkrankt. Sodass ¼ aller Mitarbeiter in der Betreuung der Kinder wegfällt.

Neben der täglichen Betreuung der Kinder, finden gegenwärtig Eingewöhnungen statt, welche mit zusätzlichem Arbeitsaufwand verbunden sind bzw. intensive Kontakte mit Kindern und Eltern besonders wichtig sind.

Um hier weiterhin eine sehr gute Qualität bieten zu können, fordern wir eine Senkung des Personalschlüssels auf ein von der LIGA-Kampagne vorgeschlagenes Niveau.

07. August 2017 Pusteblume

Stellungnahme der Integ. Kneippkindertagesstätte "Pusteblume"

Wir sind eine Kindertagesstätte die seit 30 Jahren besteht (15 Jahre Integrativeinrichtung) und eine Betriebserlaubnis von bis 203 Kindern besitzt. Diese setzt sich zusammen aus ca. 60 Kindern unter 3 Jahren und 140 Kindern von 3 Jahren bis zum Schuleintritt. Auf Grundlage der vorhandenen langjährigen Erfahrungen in allen Altersbereichen, im Integrativbereich, im sozialen Brennpunkt und seit 2 Jahren auch in der Aufnahme von Kinder mit Migrationshintergrund möchten wir kurz Stellung nehmen zum Entwurf des neuen Thüringer Kitagesetzes.

  • Wir bedauern sehr, dass eine Verbesserung des Personalschlüssels in allen Altersbereichen nicht vorgesehen ist.

  • In unserer täglichen Arbeit stellen wir uns den pädagogischen Herausforderungen einer modernen Kindertagesstätte, die sich nicht nur als Betreuungseinrichtung sieht, sondern den Bildungsauftrag der Gesellschaft im vollen Umfang wahrnimmt. Wir arbeiten nach dem Thüringer Bildungsplan und nach dem nationalen Kriterienkatalog für pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen.

  • Folgende Anforderungen an unsere pädagogische Arbeit sind seit Jahren gestiegen:

    • Der Thüringer Bildungsplan wurde inhaltlich vertieft, Bildungsbereiche sind hinzugekommen.

    • Die Inklusive Bildung und Erziehung ist eine Bereicherung für alle am Bildungsprozess beteiligten und wird durch uns in der täglichen Arbeit seit Jahren umgesetzt.

    • Die Unterstützung und enge Zusammenarbeit mit sozial benachteiligten Familien im Bildungsprozess wird von uns Erzieherinnen praktiziert.

    • Die vermehrte Integration von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache und teilweiser psychischer Belastung ist hinzugekommen. (Wir betreuen …. Kinder nicht deutscher Muttersprache, um die Integration der gesamten Familie in unsere Gesellschaft zu verbessern. Auf Grund der fehlenden Sprachkenntnisse bei den Kindern als auch bei den Erziehungsberechtigten ist eine Kommunikation nur mit erhöhtem Aufwand möglich. Unsere Erzieher sind außerdem bemüht die besonderen unterschiedlichen ethnischen Voraussetzungen im Blick zu haben, um eine individuelle bedürfnisorientierte Betreuung auch dieser Kinder und Familien zu gewährleisten.

      die Rahmenbedingungen haben und sollen sich nicht ändern!!!

      Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden und eine annähernde Gleichberechtigung in der Betreuung aller Kinder Deutschlands in Tageseinrichtungen zu gewährleisten, fordern wir eine Anpassung des Personalschlüssels!!!
      höchstens 5 Kinder pro Erzieher für Kinder von 0-3 Jahrenhöchstens 12 Kinder pro Erzieher für Kinder von 3 Jahren bis Schuleintritt

  • Die Maximierung des Leitungsschlüssels auf 1,5 Vollzeitstellen pro Einrichtung sehen wir als positiven Schritt in die richtige Richtung, ist aber für uns als Einrichtung mit 203 Kindern noch nicht akzeptabel. Die Leitungstätigkeit hört leider nicht bei dem 150-sten Kind auf. Auch alle weiteren Kinder, Eltern, das notwendige Personal und die damit verbundenen organisatorischen Abläufe benötigen die pädagogische und organisatorische Führung einer Fachkraft.

  • Derzeit werden diese Aufgaben durch sehr hohes persönliches Engagement der Leitung und Übernahme zusätzlicher Aufgaben durch stellvertretende Leitungen realisiert. Insbesondere die Aufgabenverteilung an die stellvertretenden Leitungen ohne personellen Ausgleich geht leider wiederum zu Lasten des sowieso hohen Betreuungsschlüssels der Kinder

    Wir erwarten eine Anpassung des Leitungsschlüssels auf 0,01 Leitungsanteil pro Kind unabhängig von der Größe der Einrichtung und der Anzahl der betreuten Kinder.

 

  • Unsere Kollegen nehmen regelmäßig an Weiterbildungen teil. Einrichtungsspezifische Fragen und konzeptionelle Besonderheiten können aber nur im direkten Kontakt mit Fachberatungen vor Ort erörtert und Empfehlungen umgesetzt werden.

    Deshalb wünschen wir uns mehr konkrete Zeit und individuellen Spielraum für Fachberatungen in unserem Haus.

 

Das Leitungsteam und die Mitarbeiter (innen) der integrativen Kneippkindertagesstätte "Pusteblume" - Jena

 

31. Juli 2017 Peter Häusler

Falsche Prioritätensetzung

Zu den vielen Dingen, die man sich wünschen kann, gehört der barrierefreie Zugang aller Kinder zur Bildung. Doch der ist in der Praxis der Thüringer Kitas längst gegeben. Daher muss die Frage beantwortet werden: sollte ein Gebührenerlass für Eltern, die jenseits von Hartz IV leben, angesichts endlicher Finanzen wirklich die oberste Priorität haben?

Wir wissen, dass die Personalausstattung Thüringer Kitas im Bundesvergleich im hinteren Mittelfeld liegt. Wir wissen, dass wir in Thüringen die Inklusion zum obersten Gebot gemacht haben und dass Inklusion nur funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen höchste Standards erfüllen. Wir wissen, dass diese Standards in Thüringen vielfach nicht gegeben sind, nicht zuletzt, weil es zwischen den Thüringer Kitas noch enorme Qualitätsunterschiede gibt. Und wir wissen vor allem, dass in den ersten sechs Lebensjahren eines Menschen die wesentlichen Weichenstellungen für seine spätere Sozial- und Erwerbskompetenz stattfinden. Deswegen müsste unbedingt der Grundsatz gelten: erst die deutlich sichtbaren Lücken in den Rahmenbedingungen schließen und die Qualität sichern, bevor man Gebühren abbaut.

Zur Notwendigkeit einer weiteren Aufstockung des Personalschlüssels hört man in der Fachwelt Widersprüchliches. Unbestritten aber ist: Arbeitsbedingungen und Betreuungsqualität in den Thüringer Kitas variieren sehr stark. Hier besteht klarer Handlungsbedarf.

Das hat zum einen mit der Bezahlung der Fachkräfte zu tun. Mehr Vollzeitstellen, die ähnlich gut bezahlt werden wie im benachbarten Bayern, statt vielfach mäßig bezahlter Teilzeitstellen in Thüringen, würden die nachgewiesene Abwanderung der Fachkräfte bremsen. Das Land müsste die nötigen Anreize setzen.

Die Qualität der Arbeitsumgebung und der Betreuung lässt sich zudem durch ein schlagkräftiges Unterstützersystem heben. Auch hier hat Thüringen noch deutlich Luft nach oben und die Investitionen wären überschaubar. Man müsste ein kleines Referat mit Leuten besetzen, die tatsächlich in der Lage sind, fachliche Impulse ideenreich aufzugreifen und wirkungsvoll in die Fläche zu tragen, dann ließe sich mit einem Gesamtbudget unter einer Million Euro pro Jahr Enormes bewegen. Auch die Kita-Aufsicht könnte eine fachliche und personelle Aufstockung vertragen. Es gibt z.B. noch immer zu viele Teams, die mehr auf ihre schräge Gruppendynamik fokussiert sind, als auf die Kinder. Und es kann z.B. auch nicht sein, dass die Kinder in allzu vielen Häusern schon nach wenigen Wochen unwiderruflich in den  Schubladen „lieb“, „aggressiv“, „klug“, „dumm“, „faul“, „fleißig“ usw. einzementiert werden, obwohl man inzwischen genügend Wissen hätte, wie man jedes Kind bestmöglich fördern kann. Und hier reden wir noch gar nicht von den weitergehenden Anforderungen an eine gelingende Inklusion.

Dann müssten in jenen Problemregionen, in denen die Fachkräfte froh sind, wenn sie die Kinder anderntags lebend und körperlich weitgehend unversehrt wieder zu Gesicht bekommen, dringend gut ausgebildete Familienpsychologen tätig werden, z.B. im Rahmen von Eltern-Kind-Zentren, damit man einen Zugang zu den problematischen Elternhäusern bekommt. Eine Kita kann das nicht leisten. Auch hierfür müsste man echten Sachverstand einkaufen und effiziente Strukturen schaffen. Ein gutes KitaG würde die nötigen Impulse setzen und die Finanzierung absichern.

Dringend ausbau- und damit förderbedürftig sind auch Initiativen zur Vernetzung der Kitas mit den Grundschulen und im weiteren Sozialraum. Denn auch der Übergang in die Schule muss gelingen, wenn die weitere Karriere nicht zum Rohrkrepierer missraten soll. Hier könnte das Land auf die Erfahrung von punktuell sehr engagiert geführten Projekten zurückgreifen, die darüber hinaus praxisorientierte Verbesserungsvorschläge zum Gesamtsystem  in ihren Schubladen hätten. Doch auch hier bedürfte es einer personell hochqualifiziert besetzten Koordinierungsstelle auf Landesebene mit einem klaren Verhandlungsmandat gegenüber der Kommunalebene und einem angemessenen Etat.

Da sich die Koalitionäre aber ohne Not längst auf eine Gebührenbefreiung als oberste Priorität festgelegt haben, werden solche dringenden und vergleichsweise kostengünstigen Maßnahmen weiter auf der Agenda warten müssen, mit weiterhin sehr unschönen Folgen für die unmittelbar und mittelbar Betroffenen. Ich hoffe auf mehr Augenmaß in der nächsten Legislatur.

Davon abgesehen sind etliche Präzisierungen im vorliegenden Gesetzentwurf zu begrüßen, z.B. in §8 Absatz 3 oder in §11, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Äußerst unverständlich ist hingegen, wieso die bislang zweitägige Fortbildungspflicht  für Fachkräfte einer Kann-Bestimmung weichen soll (§19); dies kommt nur den Fortbildungsunwilligen unter den Fachkräften und Trägern (darunter etliche kleine Gemeinden) entgegen und wird das oben beklagte Qualitätsgefälle nicht verbessern.

In § 16 Absatz 3 würde ich empfehlen, den ersten Satz am Schluss durch das Wort „mindestens“ zu ergänzen. Damit würde  deutlicher zum Ausdruck gebracht, dass es sich beim Personalschlüssel um eine Untergrenze handelt, wie dies in den Anforderungen in Absatz 2 durch die Worte „nicht mehr als“ festgelegt ist. Eine Präzisierung an dieser Stelle ist nötig, weil der Personalschlüssel in den zurückliegenden Jahren in der Praxis vielfach wie eine Obergrenze behandelt wurde.

13. Juli 2017 Katharina Bilzer

Die Idee der Einführung…

Die Idee der Einführung eines beitragsfreien Kitajahres wird ad absurdum geführt solang die notwendigen Infrastrukturen dafür nicht angepasst werden. Hierzu wurden bereits diverse Studien betrieben und eine deutliche Anhebung des Personalschlüssels als Grundvoraussetzung für alles folgende diagnostiziert.

Kitas sind ein wichtiger und grundlegender Baustein unserer Bildungslandschaft und ihnen kommt somit ein wichtiger Auftrag zu. Insofern muss das Personal dringend durch zusätzliche (unkomplizierte) Einstellungen und einen besseren Betreuungsschlüssel, durch regelmäßige Möglichkeiten der Weiterbildung und Supervision unterstützt werden. Auch müssen Ausfallzeiten, wie Urlaub, Krankheit und Fortbildung in diese Berechnung einfließen.

Für die Fachberatung muss sowohl ein einheitlicher Standard als auch eine Möglichkeit der individuellen Gestaltung durch den Träger festgelegt werden. So kann einerseits ein gemeinsames Niveau aber auch andererseits die Vielfalt der Trägerlandschaft und der damit verbunden pädagogischen Konzepte garantiert werden.

Ebenso dringend ist eine Sicherung der Personalkontinuität! Diese Sicherheit und Stabilität ist genauso wichtig und grundlegend für die betreuten Kinder wie für die Fachkräfte. Prekäre Arbeitsbedingungen schaffen Unsicherheit und damit Unzufriedenheit. Eine Personalschlüsselberechnung auf Grundlage des Jahresdurchschnitts der angemeldeten Kinder kann der Prekarität entgegenwirken, schafft Planungssicherheit für alle Beteiligten, ermöglicht arbeitnehmerfreundliche Arbeitsverträge und minimiert außerdem den Verwaltungsaufwand.

Ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Infrastruktur ist die notwendige Abschaffung der Kappungsgrenze bei 150 Kindern für Leitungskräfte sowie die Einführung eines Mindestpersonalschlüssels in diesem Bereich. Gerade Netzwerkarbeit ist in der heutigen Zeit immer wichtiger, gerade im pädagogischen Bereich. Diese stagniert aber nicht bei einer Kinderzahl von 150 bzw. wird auch nicht weniger bei fallender Kinderzahl.

Inklusion ist in der Kita ein sehr wichtiges Thema, denn die Orientierung am Kind ist Grundbaustein, muss Basis allen Handelns sein. Allerdings kann dies lediglich mit entsprechend geschultem und ausreichend vorhandenem Personal gewährleistet werden! Hier ist es dringend erforderlich schnell und möglichst mit geringem bürokratischen Aufwand Leistungen für Kinder mit besonderen Bedarfen beantragen und eine rasche Bearbeitung erwarten zu können. Auch sollten Fachkräfte, Eltern und Träger für eine gute tragfähige Strategie zur Umsetzung der notwendigen Rahmenbedingungen mit einbezogen werden, um zu gewährleisten, dass diese von von allen mitgetragen werden kann!

Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft und elementar notwendig für Fortbestehen unseres Systems. Insofern müssen Familien von der Gesellschaft besonders geschützt und gestützt werden. Aber auch deren Helfer, sprich die Fachkräfte, die ebenso wie die Familien wichtige Erziehungsarbeit leisten, müssen entsprechend unterstützt werden und gute Arbeitsbedingungen geboten bekommen.

Aus diesem Grund ist der Gesetzentwurf leider nicht ausreichend und viel zu kurzfristig gedacht!

 

29. Juni 2017 Marco Rust

Vorschläge für weitere…

Vorschläge für weitere notwendige Veränderung des KitaG:

Der freie Regionalverband der suhler THEPRA Kindertagesstätten gründete sich aus der Not des Fachpersonals heraus. Wir sind in einer freien Trägerschaft und kämpfen gegen ein Lohndefizit von 15% gegenüber dem Öffentlichen Dienst. Die Wohltätigkeitsverbände entwerten die Berufe im SuE Bereich massiv. Eine Abwanderung des Fachpersonals in öffentliche Stellen, oder zu Trägern mit besserer Entlohnungskultur ist die Folge. Wir fordern eine politische Regelung für eine einheitliche Entlohnung nach der Bundesdurchschnittsnorm (TVöD).

Leitung:

Die Leitung sollte einen Bachelor Abschluss vorweisen und zwar für alle Kindertagesstätten, nicht erst ab einer Anzahl von 70 Kindern.

Die hohen Kompetenzen der Leitung sind auch in Kindertagesstätten unter 70 Kindern notwendig.

Fachpersonal:

Der Erzieher- Kind Schlüssel wird nicht durch reines Wunschdenken der Fachkräfte immer wieder als unzureichend beschrieben.

Wenn eine Fachkraft 16 Kinder ab 3 Jahren nach dem Bildungsplan begleiten soll, kann diese eine Fachkraft nicht den individuellen Ansprüchen des einzelnen Kindes nachgehen, wie sie im Bildungsplan beschrieben werden. Bei dieser hohen Anzahl an Kindern treten schon Engpässe in der Erledigung von anfallend hygienischen Arbeiten auf. Auch die im Bildungsplan beschriebene soziokulturelle Vielfältigkeit, sozioökologische Vielfalt, Weltanschauung und Religiösität, Gender, Resilienz usw, sind nur sporadisch in der Praxis umsetzbar.

Die Projektarbeit mit Kindern ist ein Praxisansatz der alle Punkte aus dem Bildungsplan möglich macht, eine Projektgruppe ist mit maximal 5 Kindern ausgelastet. Alle  gegenwärtigen didaktischen  Konzepte (Zahlenland, Entenland usw) beschreiben eine Teilnehmerzahl von maximal 10 Kindern.

Der Personalschlüssel muss Nachreguliert werden, der derzeitige Schlüssel ist nicht einvernehmlich mit dem Bildungsplan, den Voraussetzungen zur Projektarbeit und für andere Konzepte.

Verfügungszeit:

Eine Verfügungszeit in Thüringen gibt es scheinbar nicht, in anderen Bundesländern hat eine Fachkraft eine Verfügungszeit von 5 Stunden in der Woche, diese werden gebraucht für die immer umfangreicher werdende Dokumentation der Bildungsprozesse, Entwicklungsgespräche, Erstellung von Aushängen und den organisatorischen  Arbeiten der Gruppe. Wo ist also die Verfügungszeit im ThürKitaG ? Wir hoffen, dass auch Thüringen eine Verfügungszeit bereitstellt, denn ohne sind viele Qualitätsabstriche in den erläuterten Punkten die Folge.

Sonderprogramme:

Kita + als arbeitnehmerfreundliches Randzeitenmodell initialisiert eine firmenfreundliche Familienpolitik. Eine Familienpolitik die firmenfreundlich ist gibt es nicht, eher eine familienfreundliche Firmenpolitik. Bitte mal darüber nachdenken. nicht um sonst wandern so viele aus Thüringen ab. Viel Glück und gutes Gelingen.

28. Juni 2017 VS

Stellungnahme zum Gesetzentwurf Neufassung ThürKitaG

Der Kreisverband der Volkssolidarität in Gera hat die Trägerschaft über acht Regelkindertagesstätten und zwei integrative Einrichtungen.

Durch die langjährigen Erfahrungen in der Betreibung von Kindertagesstätten, mit Rahmenkapazitäten von 33-265 Plätzen, kann festgestellt werden, dass die gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen an die Leitung, die pädagogischen Fachkräfte und die Betreiber der Einrichtungen in den letzten Jahrzehnten sehr stark angestiegen sind. Im Zuge der Erarbeitung des neuen Kitagesetzes hätte auf diese Veränderungen deutlich mehr eingegangen werden müssen.

Wir vermissen die dringend notwendige Verbesserung des Personalschlüssels in den Kindertagesstätten. Damit eine pädagogische Fachkraft den heutigen fachlichen und entwicklungsspezifischen Ansprüchen der Kinder gerecht werden kann, ist eine Anhebung des Personalschlüssels, vom basalen bis zum elementaren Bereich, von äußerster Wichtigkeit. Hier ist, aus unserer Sicht, ein weiterer dringender Handlungsbedarf notwendig.

Inklusion in den Einrichtungen zu leben ist, unter den derzeit gegebenen gesetzlichen Vorgaben aus dem Thüringer Kindertagesstättengesetz, kaum möglich.

Weiterhin stiegen, in den letzten Jahren, die Aufgaben einer Kita-Leitung merklich. Hier fordern wir eine Leitungsfreistellung, entsprechend der tatsächlich zu betreuenden Kinder, ohne Kappungsgrenze. Da eine erhöhte Arbeitsbelastung durch zunehmende Elterngespräche, -Beratung und statistischem Aufwand zu verzeichnen ist, sollte für die Freistellung einer Leitung ein Mindestpersonalschlüssel von einer halben Stelle festgesetzt werden.

Insgesamt ist festzustellen, dass eine langfristige Qualitätsverbesserung auch mit der Neufassung des ThürKitaG nicht gesichert werden kann.

Volkssolidarität Kreisverband Gera e.V. - 28. Juni 2017 -

Bereichsleitung Kindertagesstätten