1. Wie bewerten Sie die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument und welche Chancen und Risiken verbinden Sie damit?

Nationales Naturmonument und Grünes Band Thüringen

Entwurf vom 13. September 2017
Eingebracht durch Landesregierung
Federführender Ausschuss Ausschuss für Umwelt, Energie und Naturschutz
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Die Diskussion ist seit dem 07.01.2018 abgeschlossen

 

Zurzeit befindet sich der Gesetzentwurf der Landesregierung zum Thüringer Gesetz über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ (Drucksache 6/4464) vom 13. September 2017 in der parlamentarischen Diskussion. Nachfolgend finden Sie die Fragen, mit denen sich der Ausschuss für Umwelt, Energie und Naturschutz derzeit befasst. Sie können Ihre Meinung zu den Fragen abgeben. Mit Ihren Beiträgen, Ihren Erläuterungen oder Ihrer Kritik können Sie Einfluss auf die Arbeit des Ausschusses für Umwelt, Energie und Naturschutz nehmen.

 

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1. Wie bewerten Sie die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument und welche Chancen und Risiken verbinden Sie damit?

Kommentare

04. Dezember 2017 Bandi

Das Grüne Band vereint auf…

Das Grüne Band vereint auf einzigartige Weise Naturschutz und Erinnerungskultur von nationaler Bedeutung miteinander. Bereits vor der politischen Wende erkannten Ornithologen die besondere Bedeutung des damaligen Grenzstreifens als Rückzugsraum für seltene Vögel. Nach der Grenzöffnung setzten sich Naturschützer aus Ost und West gemeinsam für den Erhalt dieses Grünen Bandes ein als Rückzugsraum der Natur und Ort der Erinnerung ein. Umfangreiche Erfassungen belegten den Wert des Grünen Bandes als Lebensraum und Biotopverbund für eine Vielzahl großenteils seltener Arten. Es wurde eine Vielzahl von Projekten, auch auf Bundesebene zum Schutz des Grünen Bandes und zur Vernetzung ins Umland durchgeführt. Am Grünen Band Thüringen entstand auch die Idee eines Grünen Bandes Europa als Rückgrat in einem ökologischen Netzwerk Europa, welches auf 12.500 Kilometern Naturlandschaften vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer verbindet und zur  grenzüberschreitenden Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte einlädt

Die besondere Verbindung von Natur und Geschichte, die Entwicklung einer Lebenslinie aus dem Todessstreifen, zieht mittlerweile eine Vielzahl von Menschen aus dem In- und Ausland in den Bann. So besuchen z.B. regelmäßig Wissenschaftler, Journalisten und Kommunalpolitiker aus Südkoreas das Grüne Band als Modellprojekt für eine mögliche koreanische Wiedervereinigung.

Eine Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument erscheint nach jahrzehntelangem Ringen um seinen Erhalt nur folgerichtig.

Chancen:
Die Ausweisung dient dem Leitziel des Projektes "Grünes Band", den Biotopverbund zahlreicher naturschutzfachlich wertvoller Lebensräume im Bereich des Projektes zu erhalten und in gestörten Bereichen wiederherzustellen. Dem Grünen Band kommt als „Rückgrat eines ökologischen Netzwerkes“ eine Vernetzungsfunktion vieler wertvoller Lebensraum zu.  Großflächige Wälder, wertvolle Kulturlandschaftsbiotope, Trockenbiotope und Fließgewässer sind über geeignete Trittsteine und Korridore daran angebunden. Das Grüne Band dient auch Schäfern als Verbindungslinie zwischen zu pflegenden hochwertigen Biotopen im Umfeld. Die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument und das anschließende Management dienen der Hauptzielsetzung, naturnahe Abschnitte des Grünen Bandes dauerhaft in ihrer Lebensraum- und Strukturvielfalt zu erhalten und andere Bereiche gezielt zu entwickeln.

Das Grüne Band als Lebensraum und Biotopverbund für mehr als 1.200 geschützten Tier- und Pflanzenarten erfährt nach jahrzehntelangen Schutzbestrebungen nun einen flächendeckenden Schutz. Ein lebendiges Denkmal der Geschichte wird erhalten, gleichzeitig ein Begegnungsort für Ost und West, Jung und Alt.

Die Erstellung und Umsetzung des erforderlichen Pflege- Entwicklungs- und Informationsplans erlaubt eine Koordination und Umsetzung wichtiger Maßnahmen zum Erhalt und der Wiederherstellung der Biotopqualitäten und des Biotopverbunds.  Bisher nicht oder zu intensiv genutzte Bereiche können in eine extensive Nutzung überführt werden und damit zur  Vernetzung der für viele Arten wichtigen Offenlandbiotope beitragen, die derzeit im Rückgang befindlich sind. Dies eröffnet auch bisher benachteiligten Landnutzern eine Erwerbsmöglichkeit.

Risiken bestehen darin, dass der Schutzstatus an manchen Stellen nicht ausreicht, um die besonderen Lebensräume am Grünen Band zu sichern.

18. November 2017 Bandi

Chancen und Risiken der Ausweisung

Die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument bringt viele Chancen: Vor allem bedeutet es eine Wertschätzung der Regionen am Grünen Band mit ihrer Geschichte, ihren besonderen Menschen, Landschaften, Tieren und Pflanzen. Das spielt aus mehreren Gründen eine Rolle: Die Menschen dieser Regionen waren durch die Grenzgeschichte, aber auch ihre von den regionalen Wirtschaftszentren abgelegene Lage besonders benachteiligt. Dies hat sich auch nach der Grenzöffnung nicht unbedingt geändert, was sich auch in der Abwanderung zeigt.  Es ist an der Zeit, genau diese Regionen offensiv wertzuschätzen. Es finden sich im Umfeld des Grünen Bandes herausragende Landschaften mit besonderen Tieren und Pflanzen, die Menschen haben viele Geschichten zu erzählen, die auch erzählt werden sollten. Ein Nationales Naturmonument Grünes Band lenkt die Aufmerksamkeit auf diese Regionen, es regt Gespräche über die Geschichte an, aber auch über den Umgang mit unserer Natur und unserer Landnutzung.

Es gibt einige tolle Ansätze aus den Regionen, auf nachhaltige Art und Weise auch zu einer Wertschöpfung in der Region durch sanftes Naturerleben zu kreieren. Diese Potentiale müssen abgefragt und unterstützt werden.

Auch wenn die tatsächlichen Regelungen zum Umgang mit der Natur am Grünen Band relativ weich sind, ein flächenhafter Schutzstatus hilft zumindest, massive Eingriffe in den überregionalen Biotopverbund Grünes Band zu verhindern/minimieren. Die Ausweisung mit dem erforderlichen Pflegeplan wird auch dazu fördern, dass weiterhin gezielte Maßnahmen zur Verbesserung des Zustands des Grünen Bandes durchgeführt werden, die beim Offenlandbiotopverbund Grünes Band auch dazu führen werden, dass teils nicht genutzte Bereiche in eine extensive Nutzung wie z.B. Beweidung überführt werden und damit Landnutzern eine Erwerbsmöglichkeit generieren. Eine derartige Landnutzung trägt wiederum zur weiteren Vernetzung genau der für viele Arten wichtigen Offenlandbiotope bei, die derzeit im Rückgang befindlich sind.

Risiken bestehen darin, dass der Schutzstatus nicht ausreicht, um die besonderen Lebensräume am Grünen Band zu sichern, wie auch die aktuelle Förderpolitik eine extensive Landnutzung oft zu wenig honoriert. Risiken im übertragenen Sinne bestehen, wenn zu wenig konstruktiv diskutiert wird und damit Potentiale in den Regionen zu wenig genutzt werden.

12. November 2017 ulka-@1972

Ausweisung des Grünen Bandes

Risiken würde ich nur für die Natur sehen, wenn die Ausweisung nicht  kommen sollte. Die Menschen entlang das Grünen Bandes können davon nur profitieren. Die Gastronomie in den Dörfern ist in der Woche so gut wie tot! In vielen Regionen könnte dadurch der Tourismus gefördert werden. Ich erinnere da nur an das Umfeld vom Nationalpark Hainich was sich dort nach der Ausweisung alles entwickelt hat.