1 Wie beurteilen Sie die geplante Einführung eines Gedenktages am 8. Mai anlässlich der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des zweiten Weltkrieges, auch angesichts des Umstandes, dass es in der Bundesrepublik Deutschland berei

Gesetz zur Änderung des Thüringer Feiertagsgesetzes

Entwurf vom 07. Mai 2015
Eingebracht durch Mehrere Initiatoren
Federführender Ausschuss Innen- und Kommunalausschuss
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Die Diskussion ist seit dem 10.07.2015 abgeschlossen

Zurzeit befindet sich der Gesetzentwurf der Fraktionen DIE LINKE, der SPD und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN zum Ersten Gesetz zur Änderung des Thüringer Feiertagsgesetzes (Gesetz zur Einführung eines Gedenktags für die Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai) vom 7. Mai 2015 (Drucksache 6/584) in der parlamentarischen Diskussion. Nachfolgend finden Sie die Fragen, mit denen sich der Innen- und Kommunalausschuss derzeit befasst. Die Fraktion der CDU hat darüber hinaus einen Änderungsantrag zum Gesetzentwurf der Fraktionen DIE LINKE, der SPD und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN eingebracht. Sie können Ihre Meinung zu den Fragen abgeben. Mit Ihren Beiträgen, Ihren Erläuterungen oder Ihrer Kritik können Sie Einfluss auf die Arbeit des Innen- und Kommunalausschusses nehmen.

Diskutieren Sie mit!

1 Wie beurteilen Sie die geplante Einführung eines Gedenktages am 8. Mai anlässlich der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des zweiten Weltkrieges, auch angesichts des Umstandes, dass es in der Bundesrepublik Deutschland berei

07. Juli 2015 | Gast
8. Mai - Tag der Befreiung - Erinnern für die Zukunft

Der 8. Mai markiert das Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und steht für die Befreiung vom Hitlerfaschismus. Mit diesem gab es endlich wieder eine Zukunft für Europa und die Menschen. Auch wenn es nach dem 8. Mai noch jede Menge Unrecht und schlussendlich auch den kalten Krieg gab, stellt der 8. Mai eine Zäsur dar, derer gedacht werden sollte - zur Erinnerung für die Zukunft. Und dem stellen wir uns. Dies sehen wir auch nicht im Widerspruch zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Gegenteil. Mit einem Gedenktag 8. Mai würdigen wir vielmehr den Kampf der Alliierten, denen wir die Befreiung und unsere Zukunft verdanken und machen zugleich deutlich, dass nie wieder ein Krieg von unserem Lande ausgehen sollte.

26. Juni 2015 | Uwe.H
8. Mai

Der 8. Mai ist nicht nur für Deutschland von großer Bedeutung, sondern für die gesamte Welt. Er markiert das Ende des opferreichsten Krieges der Neuzeit und das ende der barbarischen Naziherrschaft in Deutschland. Dieses Datum als Gedenktag zu verankern ist mehr als angemessen und in Zeiten des Aufflammens vieler lokaler Kriege in allen Teilen der Welt mehr als aktuell.
Das nach dem 8. Mai die Entwicklung in Europa nicht so verlaufen ist, dass man den Eindruck gewinnen kann, dass man aus dem brutalen 2. Weltkrieg keine Lehren gezogen hat steht auf einem anderen Blatt. Dass es immer Menschen gibt, die mit den nach dem 2. Welkrieg entstandenen Gesellschaften mit all ihren Erscheinungen nicht einverstanden sind, ist normal.
Von einer Aufweichung der Bedeutung des 8. Mai durch die Einführung von Gedenktagen, die nur regionale oder nationale Bedeutung haben würde ich absehen.

21. Juni 2015 | lukas
Gedenktage

Ich spreche mich dafür aus, den 17..Juni als Gedenktag für die Opfer der DDR und SED-Diktatur in das Feiertags- und Gedenktaggesetzes aufzunehmen und zu begehen. Wir sollten aber den 27. Januar generell streichen und den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus als Gedenktag würdigen.
Weiterhin plädiere ich dafür, den 18. März als Tag der Parlamentarischen Demokratie als dritten Gedenktag des Freistaats Thüringen zu implementieren.
Die Aufnahme weiterer Gedenktage in das Gesetz entbehren meines Erachtens derzeit jeglicher Grundlage.

21. Juni 2015 | Dtermin
^Kultur des Gedenkens

Es ist auch wichtig, junge Leute nicht nur an Schulen zum Gedenken an diese Zeiten anzuregen, auch im Elternhaus sollte man ihnen Raum geben, diese Themen zu besprechen, denn junge Leute brauchen Orientierungs- und Auseinandersetzungsmöglichkeiten bei solch sensiblen Themen und Fragen. Dies gibt ihnen mehr Sicherheit im Umgang
einer angemessenen Gedenkkultur und eine Vorbildwirkung.

21. Juni 2015 | Dtermin
17. Juni unbedingt als Gedenktag anerkennen

Auch hier bin ich der Meinung, nicht als Gesetz verordnen. Es ist besser, die Bedeutung dieses Datums den nachkommenden Generationen zu vermitteln und wach zu halten, genau so den 27. Januar und den 8. Mai. Man sollte junge Menschen dazu ermuntern und ihr Interesse wecken, sich aus freien Stücken mit diesen wichtigen geschichtlichen Ereignissen zu beschäftigen und in angemessener Form zu gedenken.

21. Juni 2015 | Dtermin
Den 8. Mai nicht als Gedenktag verordnen

Ich halte nichts davon, den 8. Mai per Gesetz regeln zu wollen. In unserer demokratischen Ordnung muss es möglich bleiben, diesen Tag würdig und angemessen in freier Selbstentscheidung als Gedenktag zu wahren und begehen zu können. Der 27. Januar verdient es als Gedenktag anerkannt zu werden und der 8.Mai auch.
Das DDR - Regime vereinahmte den 8.Mai für seine Zwecke, und verordnete diesen Tag zum staatlichen Feiertag, welcher
sehr einseitig, von einer kommunistischen Auffassung geprägt war. Davon sollte man sich unbedingt distanzieren.

19. Juni 2015 | Max Kaufmann
Zumindest gut gemeint

Ich kann mich im Großen und Ganzen einigen Vorrednern nur anschließen.
Unzweifelhaft ist der 8. Mai 1945 ein äußerst wichtiger Tag in der deutschen Geschichte. In der deutschen Geschichte! Damit wäre für mich die Zuständigkeit des Bundes, nicht des Landes gegeben, um diesem Tag auch die entsprechende Würde zu verleihen. Zum anderen ist das Argument, ob der 7. oder doch der 8. Mai der eigentliche Tag der Kapitulation ist, da es da doch einige Probleme mit einer Zeitumstellung gab, nicht von der Hand zu weisen.
Letztendlich war ganz Europa war vom Faschismus und Nationalsozialismus und dessen Folgen betroffen. Es liegt somit nahe einen thüringenspezifischen Bezug zu vermissen.

Den von der CDU-Fraktion vorgebrachten 25.10 als Tag der Thüringer Verfassung finde ich hingegen besser geeignet! Er weißt einen landesspezifischen Bezug auf und ist politisch/ historisch gesehen auch nicht von geringer Bedeutung.

Ich glaube der Versuch den 8.5.2015 als Gedenktag zu normieren sollte nicht ins lächerliche gezogen werden, sondern mit Ernsthaftigkeit verfolgt werden, dies allerdings eine gesetzgeberische Ebene weiter höher.

19. Juni 2015 | M. Weber
Fehlende Ernsthaftigkeit

Der Einführung von Gedenktagen für besonders geschichtsträchtige Tage halte ich nichts entgegen, aber ich vermisse in der angestoßenen Diskussion die Ernsthaftigkeit.
Nach meiner Auffassung geht es hier mehr darum Symbolpolitik zu betreiben und die Parteibasis zu bedienen.
Anders kann man sich das Vorgehen unserer Volksvertreter nicht erklären. Die Landesregierung solle, wenn Ihr der Gedenktag wirklich am Herzen liege, eine Bundesratsinititative starten, denn dieser Tag ist von bundesweiter Bedeutung.
Wie schon von anderen angesprochen, ist der 8. Mai für die thüringer Geschichte weniger prägend, da an diesem Tag Thüringen von den Amerikanern schon befreit war. Deshalb halte ich ihn als Gedenktag auf Landesebene für unangemessen, da die Bedeutung über unsere Landesgrenzen hinausgeht.
Die Anzahl der Gedenktage im Änderungsantrag halte ich für übertrieben. Es ist verständlich, dass man als Opposition andere, eventuell bessere Vorschläge bringen möchte, aber hier darf das nötige Feingefühl nicht vergessen werden.
Viele haben beim Kampf für Demokratie und Freiheit ihr Leben gelassen. Das darf nicht durch Parteienkampf entwürdigt werden.

19. Juni 2015 | jüwo
Zustimmung

Ich befürworte sehr, den 8. Mai als Gedenktag in Thüringen einzurichten. Die einzelnen mir vorausgehenden Diskussionsbeiträge präsentieren dabei jeweils eine unterschiedliche Deutung dieses Tages. Fakt ist, dass ab diesem Tag eine Phase des Friedens im Sinne eines Waffenstillstandes zwischen den am 2. Weltkrieg Beteiligten in beiden Teilen Deutschlands einsetzte. Die Deutung dieses Tages reicht dabei natürlich von Kapitulation über Befreiung bis hin zu Kriegsende. Gerade weil in der Zeit der 2. Diktatur in Deutschland dieser Tag als Legitimation für diese Diktatur missbraucht wurde, seine Bedeutung aber das gesamte Deutschland betrifft, bedarf es an dieser Stelle des Gedenkens mit der entsprechenden Sinndeutung dieses Tages. Es ist gut, dass sich einzelne Bundesländer darüber Gedanken machen. Darin unterscheidet sich dieser Tag auch vom 27. Januar, der eine andere differenzierte Problematik hat.

Dringen unterstütze ich auch das Anliegen, den 17. Juni zum Gedenktag zu erklären. Auch dieser Tag erlebte eine Missdeutung in der DDR, so dass ihm jedenfalls in diesem Gebiet in dieser Zeit eine angemessene Form von Würde und Respekt für die Opfer und deren Anliegen fehlte.

Den 18. März halte ich für ganz wichtig, weil gerade der Verweis in der Begründung auf das Jahr 1848 / 49 interessant ist. Dieses Datum kann in der Zusammenschau der Ereignisse einen Beitrag zur Aufarbeitung von Geschichtsverständnis, Geschichtsdeutung und gesellschaftlich historischer Selbstwahrnehmung bilden. In den Zeiten der DDR wurde ja genau dieses Datum von 1848 / 49 in den Mittelpunkt gerückt als „Beginn der Geschichte (der Arbeiterbewegung)“ und eine Gesellschaftsdeutung begründet, die nur Fragen konnte, wer die Produktionsmittel besitzt.

Gedenktage sind durchaus eine Möglichkeit, nachfolgenden Generationen Geschichtsbewusstsein zu vermitteln. An dieser Stelle möchte ich dem entsprechenden Abschnitt aus dem Beitrag von „Petra“ widersprechen und verweise auf meinen Beitrag zu Frage 3.

18. Juni 2015 | Lockie
volle Zustimmung

Der 8. Mai 1945 war der Endpunkt des verbrecherischen und mörderischsten Systems der Weltgeschichte. Mit dem 8. Mai 1945 endete die Shoa. Es ist richtig einen solchen Tag als Gedenktag zur Mahnung und zum Erinnern offiziell zu würdigen, auch um die Gefahren neuer Nazis in das Bewusstsein der Menschen zu rücken.

16. Juni 2015 | sigrun lingel
Es wird Zeit

Es wird Zeit, dass im vereinten Deutschland der 8. Mai Feiertag wird. Und wenn es erst einmal nur über einzelne Bundesländer geht, dann eben auch so. Wie auch immer nach dem 8. Mai 1945 die Geschichte verlaufen ist, die Menschen in Deutschland wurden mit dem des zweiten Weltkrieges von der Hitler-Diktatur befreit.
Da es in unseren vereinten Deutschland noch immer (oder schon wieder) Menschen gibt, welche rassistischen und menschenverachtenden Gedanken anhängen, ist es notwendig, darauf hinzuweisen, wohin solch ein Gedankengut führt. Auch deshalb ist es gut, dass der 8. Mai zum Feiertag wird.

16. Juni 2015 | Richard
Kein Gedenktag Thüringens

Den 8. Mai zum Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus fest in das Gedenken der Deutschen zu verankern ist längst überfällig. Spätestens seit der Rede des Ex- Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahre 1985 veränderte sich die Gedenkkultur in Deutschland. Weizsäcker nannte den 8. Mai für die Deutschen keinen Grund zum Feiern, wohl aber einen Tag der Befreiung von dem menschen-verachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. So wird er jetzt auch national als solcher angesehen und behandelt.
Ihn 70 Jahre nach der Befreiung in die Feiertagsgesetze einzelner Bundesländer einzubetten (z. B. Brandenburg) wird aber seiner Bedeutung nicht gerecht und ist dort auch fehl am Platze. Sicher wird es sich auch in Thüringen um einen Gedenktag und nicht um einen Feiertag handeln. Doch er gehört, wie auch der Holocaustgedenktag auf die Bundesebene! Er ist nicht von regionaler- sondern von nationaler Bedeutung.
So ziemlich daneben ist auch der Änderungsantrag der Thüringer CDU mit seinen Gedenktage Erweiterungen in Thüringen.

15. Juni 2015 | Shinzon
Schon lange überfällig

Es ist eine Schande, dass es 70 Jahre gedauert hat, bevor auch nur in Erwägung gezogen wird, den Tag der Befreiung zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Ich kann verstehen, warum Thüringen diesen Schritt auf Landesebene geht, denn auf Bundesebene wird es wohl noch weitere 70 Jahre dauern.

15. Juni 2015 | Petra
Gedenktage sind nicht zielführend

Gedenktage - führen nicht dazu, nachfolgenden Generationen Geschichtsbewusstsein nachhaltig zu vermitteln.
An diesen Tagen sitzen Verantwortungsträger (wie ich) in Festveranstaltungen und hören Sonntagsreden von Politikern- Diese binden nur Zeit, die mir im Alltaggeschäft fehlt und man erreicht niemals die Menschen, die wir eigentlich ansprechen müssen!
Vielmehr sollten z.B.: Historiker in die Schulen und Jugendeinrichtungen gehen, um dort ohne Leistungsdruck ( lernen für Zensuren) Geschichtswissen zu vermitteln und das kontinuierlich im Jahr. Wenn die Geschichte aus den Museen und Gedenkstätten mobil durch das Land fahren würde, dann könnte sie viele Menschen erreichen.
Das Wissen sollte aber von Fachleuten vermittelt werden, die die wahre Darstellung der Geschichte geben können------ Parteien geben die Geschichte immer nur nach ihrer Auffassung wieder und die ist nicht objektiv. (Ich kann mich noch erinnern, wie mir in der DDR die Geschichte vermittelt wurde.)

Noch mehr gesetzliche Feiertage wären schädlich für die Wirtschaft-- Wann soll denn noch gearbeitet werden?
Mehr Feiertage würden die Nettojahresarbeitszeit senken und damit die Kostensätze in der sozialen Betreuung auf Grund von mehr Personalbedarf erhöhen. Das erfordert Geld, was die Kommunen nicht haben und übrigens steht nicht viel zusätzliches Fachpersonal auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, um die Bedarfe abzudecken. Es wollen schon jetzt immer weniger Menschen an Feiertagen arbeiten--- in Kinder- und Alteneinrichtungen bleibt das aber notwendig!

DDR Geschichte----18.3. gehört zur Allgemeinbildung, nicht so bedeutsam, um es extra zu gedenken.

17.6 /25.10.--- Worin sehen die Thüringer Politiker die Rechtfertigung für ein Alleinstellungsmerkmal zu den übrigen Bundesländern für diese geplanten Feier-/ Gedenktage?
-Verfassungen gibt es überall--
-Aufstände von unterdrückten Menschen gibt es in jeder Gesellschaftsordnung.

Zu viel von einer Sache bringt Gleichgültigkeit/Ablehnung und verfehlt das Ziel.

13. Juni 2015 | Wessi
Berechtigung aus rechtsphilosophischer Sicht?

Laut Duden sind Gesetze "vom Staat gestgesetzte, rechtlich bindende Vorschriften." Die anderen gegebenen Definitionen (2. "einer Sache innewohnendes Ordnungsprinzip; unveränderlicher Zusammenhang zwischen bestimmten Dingen und Erscheinungen in der Natur" - 3. "feste Regel, Richtlinie, Richtschnur") betreffen erkennbar nicht staatliche Gesetze. Da stellt sich die Frage nach den Rechtsfolgen des Gesetzes. Welche Normen enthält es? Ich sehe weder irgendwelche Rechtsfolgen noch sonst irgendwelche rechtlich bindende Vorschriften. Damit stellt sich die Frage, welchen Sinn Gesetze ohne erkennbaren Regelungsgehalt haben. Es gibt sowieso schon zu viele Gesetze. Weniger wäre da mehr.

Aber auch inhaltlich kann ich dem Vorhaben wenig abgewinnen. Zum einen stört schon etwas die Nähe zur ehemaligen DDR. Man distanzierte sich in wohlgedruckten Worten vom Faschismus, wollte ihn im Osten angeblich konsequent bekämpft und ausgerottet haben, bediente sich in Wahrheit ähnlicher Methoden, um die Bevölkerung, insbesondere Andersdenkende zu unterdrücken. Hat ein freiheitich.demokratischer Rechtsstaat es nötig, eine bestimmte Gesinnung in einem Gesetzbuch ausgewiesen (oder gar vorgeschrieben) wird? Die Demokratie lebt von der demokratischen Gesinnung ihrer Bürger. Und auch hier sollte man auf den Konsens in der Gesellschaft setzen. Fehlt der in dieser Frage, ist das schlimm, egal, ob ein Gesetz zum Gedenken an den 8. Mai exisitiert oder nicht.

Zum Zweiten stellt sich die Frage, warum ausgerechnet Thüringen einen solchen Gedenktag braucht. Am 25. April 1945 trafen sich amerikanische und sowjetische Truppen bei Torgau. Auch Thüringen war damit zu diesem Zeitpunkt "befreit", die Stadt Aachen schon Ende 1944. Einen regionalen Aspekt kann man aus dem 8. Mai nicht herausfiltern. Tatsächlich war es auch nicht so. Meine Eltern haben beide den Krieg in der Wehrmacht erlebt. Schon vorher begann die staatliche Ordnung zu bröckeln. Das fast explosionsartige Ansteigen von Todesurteilen, die Einführung von Standgerichten gibt ebenso beredtes Zeugnis darüber wie die immer schlechter werdende Versorgungslage vor allem deer Stadtbevölkerung. Scxhon bei Kriegsbeginn war vieles rationiert und nur auf Marken erhältlich, obwohl die Nazis die besetzten Gebiete geradezu plünderten. Aber diese Gebiete wurden immer kleiner, je mehr die Fronten sich Deutschland näherten. Nach dem 8. Mai wurde die Versorgungslage noch schlimmer. Eine staatliche Ordnung gab es vielerorts nicht. 1946/47 gab es zudem eine Hungersnot. Ja, am 8. Mai 1945 war der 2. Weltkrieg in Europa offiziell zu Ende. Im Leben der damaligen Bevölkerung gab es andere, überlebenswichtige Probleme als diese Unterschriften in Karlshorst. Symbolpolitik führt in der gesellschaftlichen Wirklichkeit nicht weiter.

Wenn man schon sein Augenmerk darauf legt, dass nie wieder so ein verbrecherisches Regime installiert werden soll, dannb muss man von der Logik her nicht das Ende der Nazi-Zeit betrachtet werden, sondern das Ende der Weimarer Republik, in dem der Boden bereitet wurde, dass die Nazis überhaupt an die Macht gelangen konnten. Im Westen hatte man das schon in den 50er Jahren erkannt und das Konzept der sozialen Marktwirtschaft etabliert. Der Laissez-faire-Liberalismus in der Weimarer Republik ließ den Einzelnen schutzlos vor den damaligen Machtgruppen. 1932 war das Jahr mit den meisten unbezahlten Überstunden in Deutschland. Private Arbeitsvermittler vermittelten Jobs, für diese in der Regel drei Bruttomonatsgehälter Honorar forderten. Gleichzeitig hatten sie Verträge mit den Arbeitgebern, die eine Rückvergütung von 1,5 Bruttomonatsgehältern für den Fall der Kündigung nach drei Monaten vorsahen. Der Arbeitnehmer war wieder arbeitslos und damit Kunde beim Arbeitsvermittler. Seinen hart erarbeiteten Lohn teilten sich Arbeitgeber und Arbeitsvermittler. So kamn es, wie es kommen musste, zu einer Radikalisierung in der Bevölkerung. Das Ende der ersten deutschen Demokratie wurde an den Urnen besiegelt.

Die Antwort darauf war die soziale Marktwirtschaft: Tarifvertragsgesetz, Kündigungsschutzgesetz, Betriebsverfassungsgesetz und das Kartellrecht sollten ähnliche Entwicklungen verhindern. Statt privater Arbeitsvermittler wurde das staatliche Vermittlungsmonopol, das Arbeitsamt, eingeführt. Diese soziale Marktwirtschaft wurde im Einigungsvertrag festgeschrieben. In der Realität ist davon nicht mehr viel übrig: Gerade mal 18 % der Arbeitnehmer sind gewerkschaftlich organisiert. Die Mehrheit der Betriebe sind betriebsratslos. "Elefantenhochzeiten" von Großunternehmen werden gefeiert, obwohl dadurch in gefährlicher Weise Macht angehäuft wird. "Too big to fail." Es ist akzeptiert. Die soziale Marktwirtschaft ist weitgehend tot.

Um den Bogen wieder zurück zum Gedenktag zu spannen. Eine simple Deklaration wie im Einigungsvertrag zur sozialen Marktwirtschaft bringt in der Sache gar nichts. Nicht selten führt es zum Gegenteil. Weniger ist häufig mehr.

13. Juni 2015 | Kritischer buerger
Bürokratie pur - keine Kleinstaaterei in Deutschland

Die Befreiung vom Nationalsozialismus und die Beendigung des zweiten Weltkriege ist kein regionales Ereignis und muss daher auch nicht regional sondern - wenn überhaupt bundesweit - gewürdigt werden. Der Tag wird nur zusätzliche Repräsentationskosten auf Ebene der Landesregierung und der nachgelagerten Verwaltungseinheiten verursachen.

13. Juni 2015 | HeKiki
27. Tag der Opfer des Nationalsozialismus / 8. Mai Gedenktag

Beide Tage haben ihre Berechtigung. Der 27. Januar steht für die Befreiung der Opfer. Jener Menschen also, die qualvoll dem Tode geweiht waren und mit der Befreiung des KZ Ausschwitz erlebten einige ein Stück Hoffnung, dass das Leben für sie weiter geht. Die Hölle hatte für sie ein Ende. Alles war den Menschen, die nach Auschwitz und in andere KZ-Lager kamen, genommen worden. Unvorstellbar war das, was sie erlebten. Für Millionen von Menschen gab es nicht den Versuch zu "überleben", sie wurden gleich in die Tötungsmaschinerie geworfen.
Der Gedenktag des 8. Mai hat eine weiterreichende Bedeutung - das NS - Regime wurde durch die Aliierten besiegt. "Tag der Befreiung" - was für ein Wort und welche unermessliche Bedeutung muss dieser Tag für die Leidtragenden Verfolgten, Gefolterten, Misshandelten, ZwangsarbeiterInnen, für Schwule, für "Arbeitsfaule", für Kranke, für "Andersdenkende" gewesen sein, als sie das erlebten. "Befreitsein" - "frei" sein - das Ende eines schier unvorstellbar grausamen Regime. Diese Menschenverachtung hatte eine Ende.
In vielen Redebeiträgen, von noch Überlebenden wurde deutlich, dass es wie ein Aufatmen war, trotz der eigenen Qual und eines für uns uneremesslichen Leides, dass sie miterleben mussten.
Das "danach", darf nicht die Bedeutung des 8. Mai relativieren. Da gibt es in beiden deutschen Staaten durchaus die Pflicht das aufzuarbeiten.
Ausschließlich gilt dies als gesondert betrachtet und muss in der Geschichte der beiden Staatsgründungen gesondert gewertet und dargestellt werden. Der 8. Mai ist ein bedeutungsvoller Tag und nur durch die Aliierten war es möglich die faschistische Diktatur in die Knie zu zwingen.

12. Juni 2015 | Dietmar Schütze
Kompliziert

Dieser Tag ist der falsche Tag. Erstens die wirkliche Kapitulation der deutschen Streitkräfte war am 7.Mai 1945 in Reims. Am 8.Mai war nur eine Show-Veranstaltung, weil Stalin einen Marschall, statt wie in Reims einen General eineUnterschrift leisten sehen wollte.Der Text ist gleich, das Ende der Kampfhandlungen ist zum gleichen Zeitpunkt festgelegt.

Zweitens wollten die Allierten Deutschland nicht vom Nationalsozialismus befreien. Ihre Ziele waren andere. GB wollte die mächtigste Macht auf dem Kontinent zerstörren, die SU die Weltrevolution voranbringen und die europäische Arbeiterklasse befreien. Die USA wollten die Weltherschaft, Frankreich nur Rache.
Erst später wurde es als besser eingeschätzt den Nationalsozialismus ins Zentrum zu rücken. Dies geschah im Zuge der Teilung in Ost und West. Man brauchte die Deutschen als Kanonenfutter. Da ist ein schlechtes Gewissen immer gut, um so williger sind die eingeplanten toten deutschen neuen Helden..

12. Juni 2015 | Achim.M
8. Mai Feiertag!?

8. Mai Feiertag!?
Sollte man überlegen.
Aber nicht aus der Sichtweite heraus ablehnen, die DDR hatte diesen Tag zum Feiertag gemacht.
Bestenfalls haben die Verantwortlichen in der DDR diesen Tag für einseitige Betrachtungsweisen benutzt und teilweise auch missbraucht.
Dank der deutschen Einheit, jetzt wird dieser Tag in der Gesamtheit der Leistungen und Opfer der Alliierten gewürdigt.

8. Mai ein Feiertag...

Aus meinem historischen Verständnis heraus hätten wir dann in Deutschland 2 Feiertage zum gleichen Ereignis.
Jedenfalls, meine Generation weiß wieso und warum es zur deutschen Teilung kam.
Die Ursachen der deutschen Teilung liegen nicht im wollen der Alliierten, sondern die Ursachen sind in der Politik der Zeit von 1933 – 1945 zu suchen.
Welchen anderen Grund hätten die Alliierten gehabt Deutschland zu besetzen und dann über die Zukunft Deutschlands zu verhandeln?
Demokratisch gesinnte und politisch interessierte Menschen können ja i.d.R. mit der Kausalität (Ursache – Wirkung) umgehen.
Die Frage der jungen Generation lautet doch, warum gibt es einen Tag der Deutschen Einheit?
Wer da meint, weil die Sowjetunion ihr System in den östlichen Teil Deutschlands installiert hat, verkennt die Ursache und gibt sich mit Halbwahrheiten zu frieden. Denn es ist dann die Frage zu stellen, wieso sind die Armeen der UdSSR auf das Territorium von Deutschland überhaupt gekommen.

Richtig ist es jedenfalls, den 8. Mai als Gedenktag einzurichten. Genauso richtig ist es, den 17.06 als Gedenktag einzurichten. Der 27.01 ist ja bereits ein Gedenktag.
Als Parteiloser finde ich es immer wertvoll wenn die demokratischen Parteien an diesen und ähnliche Tage Veranstaltungen durchführen. Und ich nehme mal an, in den Schulen erinnern die Geschichtslehrer an diesen Tagen ihre Schüler auch an diese Zeit.

Noch ein Wort an die Forumsleitung.
Man sollte überlegen ob man auf eine anonyme öffentliche negative Bewertung verzichtet.
Ich bin in mehreren Foren seit vielen Jahren tätig.
Meine Erfahrung, in absehbarer Zeit macht eine anonyme öffentliche negative Bewertung ein Forum kaputt. Und speziell bei diesen hier hinterlässt dies den Eindruck von anonymen Parteienmeinung.